Kaliberwahl

Oft werden wir gefragt, was der Begriff Mittelkaliber umfasst. Aus Sicht eines Artilleristen ist dies ein Kaliber um die 30mm Geschossdurchmesser, aus Sicht des Longrange-Schützen sind es jedoch die Kaliber zwischen 7.6 mm und 12.7 mm, also die typischen Longrange-Kaliber zwischen 0.300/308 und 50 BMG. Ganz grundsätzlich schiessen wir mit Vollmantelgeschossen resp. sogenannter Matchmunition.

Ganz zu Beginn muss ich mich entscheiden, ob ich “nur” bis 1’000m oder auch darüber hinaus schiessen möchte. Doch sei gewarnt, der Appetit kommt mit dem Schiessen! Sollte ich mich für den Bereich bis 1’000m entscheiden gibt es eine Reihe von Optionen, typische Vertreter sind die 6.5 Creedmoor, die .308 oder die 7.5×55 Swiss.

Kaliber unter dem Geschossdurchmesser 7.62 mm eignen sich im Regelfall nicht für unseren Sport, und auch ein Geschossgewicht unter 168 Grain resp. 10.9 Gramm haben Nachteile. Ausnahmen gibt es selbstverständlich, auch wir haben das Kaliber 6.5 CM im Einsatz und das Kaliber 7mm RUM ist zum Beispiel eines der besten Kaliber bis 1’900m, aber mit Vollmantelgeschoss kaum in der Schweiz erhältlich. Und auch die Kosten spielen einen gewichtigen Faktor. Schiesse ich im Jahr 200 Schuss dann kann ich mir die gute Munition von Hornady im Kaliber 6.5CM leisten, auch wenn die zwischen 2.10 und 2.50 die Patrone kostet. Schiesse ich aber 1000 Schuss tut das schon richtig weh. Dem Thema Creedmoor haben wir übrigens einen eigenen Bericht gewidmet. Wir sehen es aber in keinster Weise als “Glaubenskrieg”, viele von uns haben inzwischen eine 6.5CM im Einsatz, aber es ist nict unser Allroundkaliber.

Das in der Schweiz sehr günstige Kaliber 5.56 Nato resp. GP90 eignet sich nicht für unseren Sport, es sollte mindestens das Kaliber 7.62 Nato resp. .308 Win sein, das bis 1’000m einsetzbar ist. Oft hören wir, dass der Ballistik-Rechner für die 308er bei normalen Geschissen eine Grenze von 1’150m angibt, bevor es in den Unterschall wechselt und dann ins Trudeln kommt. Fakt ist jedoch, dass bei günstiger Kaufmunition und bei Seitenwind mit einer 308er bereits 900m zur Herausforderung werden können. Tiefe Temperaturen verlangsamen zudem die Abbrenngeschwindigkeit des Pulvers und damit die Mündungsgeschwindigkeit, erhöhen den Luftwiderstand und verkürzen die effektive Einsatzdistanz damit zusätzlich. Inzwischen sind jedoch auch bei der .308 “Hochleistungsgeschosse” verfügbar, die die 1’200m absolut erreichbar machen, hierzu haben wir ebenfalls einen eigenen Bericht geschrieben und werden auch laufend über die Entwicklung informieren.

Wir empfehlen für eine Einsteigerwaffe mindestens das Kaliber .308 oder für etwas mehr Reserve eine .300 Win Mag. Die .308 kann bis bei ordentlicher Munition (z.B. Ruag P Target 175gr) sicher bis 1’000m eingesetzt werden, nimmt man die neuste Geschossgeneration und lädt selber sind auch 1’200m machbar. Die .300 WM ist kommt damit problemlos bis 1’400m, ist aber ein “Lauffresser”, wie alle Kaliber die mit 900m/s und mehr arbeiten. Beide Kaliber bleiben also gerade beim selber Laden und den neuen Geschossformen lange im Überschalbereich, und sind damit auf allen Schweizer Plätzen bei sommerlichen Temperaturen noch einsetzbar ist. Zu diesen Themen findet ihr weitere Artikel auf unserer Homepage. Das eigentliche Allround-Kaliber ist 0.338 Lapua Magnum, das auf allen Plätzen, auf denen wir schiessen, den Aufgaben gewachsen ist.

Karabiner und Standardgewehre mit dem Kaliber 7.5 x 55 Swiss sind durchaus bis 1’000m einsetzbar, erfüllen aber nur nach einem Umbau die Anforderungen an ein Longrange-Gewehr und sind auch dann kein voller Ersatz für ein modernes System.

Gute Munition ist fast wichtiger als die Waffe selbst, und deshalb hat das Wiederladen einen sehr hohen Stellenwert. Hier kann man seine Waffe und seine Munition exakt aufeinander abstimmen, dies insbesondere bezüglich dem Schwingungsverhalten des Laufes beim Abschuss, und erreicht so enorme Verbesserungen gegenüber einer günstigen Kaufmunition. Was auf dem 300m-Stand gut trifft, kann auf 1’000m schon deutlich streuen. Deshalb muss die Munition immer zuerst auf die Einsatzdistanz getestet werden, bevor man grössere Mengen davon kauft oder herstellt.

Günstige Munition, Waffen und Zielfernrohre eignen sich oft nicht für unseren Sport, und im Endeffekt kauft man das Material zweimal.

Ballistiktabelle

Praxistyp zur Kaliberwahl

Nimm lieber das grössere Kaliber. Es ist ärgerlich, ein Gewehr zu kaufen, um dann zu merken, dass es doch nicht reicht. Der Kostenunterschied bei der Munition mag ein Faktor sein, aber beim selber Laden wird dieser Unterschied klein. Ein Kaliber über .338 ist eine Sache für sich. Viele Mitglieder verzichten dankend darauf und andere möchten diese Kaliber unbedingt haben. Zur Leistungsgrenze der 0.338 findest du ein schönes Beispiel im Kapitel Ballistik.

Alfred, Update 01.03.2020, SMKSG

Teile unsere Passion